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Notizen #1

Montag

Montag, 05.45h. „Alexa“ weckt mich mit „Spiel mir das Lied vom Tod“. Grandios für einen Montag. Ich gleite sanft aus meinem Bett und bewege mich Richtung Kaffeemaschine. Vollautomat. Kaffee aus biologischem Anbau, Kapseln aus Aluminium.

Ich wundere mich. Aus dem Augenwinkel sehe ich „DIDI“. Er blinkt und vibriert. Scheinbar kann er es immer noch nicht leiden, dass ich die Kaffeemaschine als erstes drücke. Ach so, DIDI bedeutet „Digitaler Diktator“ – mein Handy. Der Kaffee ist fertig und ich gleite elfenhaft auf mein Bett zurück. Jetzt aber schnauft DIDI. Seit knapp 10 Jahren jeden Morgen das gleiche Ritual. DIDI vom Ladeplatz genommen und mit einem eleganten Wisch nach oben, ins „gelobte Land“ der Apps.

Als erstes öffne ich natürlich den König, nein Kaiser der Apps. FACEBOOK. Ich habe gestern etwas Nobles gepostet und nun hoffe ich auf viele viele Likes, mindestens 20.  Zum Erstaunen habe ich nur 3 Likes. Der Grad der Erwartung und darauffolgenden Enttäuschung sind 3 Likes, Daumen hoch 3. In Worten „drei“. Ich weise „Alexa“ an „James Last, „Morgens um 7 ist die Welt noch in Ordnung“ zu spielen. James Last – ja ich weiß – es ist mir zu diesem Zeitpunkt nix Besseres eingefallen. Und für den aufmerksamen Leser oder Leserin, es ist nicht 7.00h, sondern 5.51h. 

Nun gut, so schnell gebe ich nicht auf. Jetzt zum König der „Fotosammlungen“ INSTAGRAM. Ich habe im Dämmerlicht mein köstliches Menü futuristisch in Szene gesetzt. Es gab Spaghetti mit handelsüblichem Ketchup aus der Flasche, stilvoll auf einem IKEA Teller präsentiert. Aber jetzt. Kein Herz. Nix, garnix, rein garnix. Herzloses Pack!!

Letze Station der Baron der kurzen Nachrichten „Twitter“. Ich habe gestern, Sonntag, eine kleine Umfrage gestartet zu der Frage was ich denn an diesem Tag so machen könnte. Waschen, Bügeln, Putzen oder Koitus. Das Ergebnis erfreute mich, 75% waren für Koitus und nur 25% fürs Putzen.  Von 276 Followern haben sagenhafte 4 Personen an meiner durchaus professionellen Umfrage teilgenommen. In Worten V-I-E-R!!! Ich weise Alexa an – „Spiele Richard Wagner, Götterdämmerung, letzter Akt, letzte Szene, der Untergang von Walhalla“ – passt wohl zu meiner Stimmung. Es ist 6.15h. Kaffee kalt, Walhalla in Flammen, ich döse weg.

Im Dämmerzustand stellt mir meine innere Stimme eine ganze miese Frage: WARUM TUST DU DIR DAS AN? Nochmal: W A R U M?  Böses Unterbewusstsein, ganz böse. Ich wache auf und will der Sache auf den Grund gehen. Ich besorge mir Fachliteratur zur Digitalen Revolution, Industrie 4.0, Soziologische Auswirkungen, Fachstudien zu dem Thema, „Digitale Arbeitsplätze und deren Auswirkungen auf die Psyche“ usw. Nach Durchlesen und Durchsichten, Markieren, Kapieren, Analysieren, Konstruieren, habe ich den Diagnostischen Befund: „Digitale Sucht“.  ICD-11. 6C51.0.

Rums, das hat gesessen. Da ich auch noch vom Fach bin, traf es mich besonders hart. Ich niemals, never ever. Nein, Nö!! Was tun. Kalter Entzug, alles weg?  Weicher Entzug, nur teilweise online? Bringe ich die Disziplin auf in die Analoge Welt zurückzufinden? Kann ich das reparieren? Immerhin war ich fast 10 Jahre in sozialen Netzwerken unterwegs …

Meine Geschichte begann an einem Montag im Frühjahr 2017.  Und ich bin zurück in der analogen Welt. Aus DIDI wurde DIBE (Digitaler Begleiter). Ich habe es repariert.  Fortsetzung folgt…….

 

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