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Notizen #2

Notizen #2

E-Mail

5.00h. Ich werde durch ein Gewitter, durch ein sehr heftiges, geweckt. Alexa hat keine Chance. Ich gleite wie immer elegant aus meinem Bett und gehe zum Fenster. Es donnert gewaltig und Blitze jagen sich im Wettbewerb, wer der hellste und heftigste ist, gegenseitig den Rang ab. Zeus scheint richtig sauer zu sein. Aber mein Nachbar auch! Er grummelt und flucht. „Verdammt, so ein Decksgewitter, ich raste aus“. Er rastet aus und irgendetwas fliegt durch die Wohnung. Erst jetzt sehe ich, dass sein neue SUV in schwarz von tennisballgroßen Hagelkörnern, die Zeus noch ins Gefecht führt, förmlich zerschossen wird. Ich schmunzle und murmel „Ups“ und gehe Richtung Bad. Zähneputzen, duschen, abtrocknen, Haare in Schuss gebracht und fertig für den Job. Es ist 5.30 h, Alexa, das Biest spielt: „O What a Beautiful Morning“ aus dem Musical Oklahoma. Ich geh zum Fenster und sehe das Ergebnis des Gewitters. Der SUV, schwarz, hat nun silberne Einschusslöcher, als ob er gerade frisch vom Truppenübungsplatz kommt. Ich „schmunzle“ erneut. Ich frage mich schon länger warum ich in einer Stadt, die weder Gebirge noch harte schneereiche Winter hat, einen „Stadtgeländewagen“ an jeder Ecke rumfahren bzw. rumstehen sehe. Ich werde dieses Thema in einer „Notiz“ ergründen. Ich schweife ab oder bin ich abgeschwiffen?  Egal.

Auf geht’s in die Kathedrale der Produktivität, der Musen-Tempel, der Brillanz und Klasse. Der Olymp des Olymps.  Ich begrüße die Kollegen mit einem schmissigen „Lasst mich durch in bin Coach“ sowie „heute keine Gespräche durchstellen“. Ich gleite elegant in meinen Stuhl und schmeiße den Rechner an. Routinemäßig öffne ich erst das Qualitäts-Online-Portal „Bild.de“ und überfliege die Headline. Gut informiert öffne ich nun den Gollum aller Programme: Mein Schatz: „Outlook“. Ich gebe zu „Outlook“ und ich sind nicht die besten Freunde. Waren wir nie, sind wir jetzt auch nicht und werden wir auch nie sein. NIE!! Gollum verlangt heute Morgen von mir, dass ich 13 (in Worten „dreizehn“) E-Mails zu lesen und evtl. auch noch zu beantworten habe. Mein inneres Selbst wettet mit mir, dass der Informationsgehalt der meisten Mails gen Null geht. Betreffzeilen sind mein Liebling, der Thron von Outlook. „Dringend“, “Urgent“, „ASAP“. Ich öffne die „ASAP“ Mail in der Hoffnung, sie kommt aus „Stockholm“ oder ein fetter Lottogewinn kündigt sich an. Nix davon.

Wir hatten eine Kundin, die war drei Wochen in ihrem wohlverdienten Urlaub. Als sie wiederkam hatte sie 687 (in Worten: „sechshundertsiebenundachtzig“) E-Mails in ihrem Postfach. 687!! Stellen Sie sich vor, Sie hätten 687 Briefe im Briefkasten!! Und davon sind 564 Werbung!!

E-Mails sollten alles einfacher machen, versprachen uns die Macher! Nach dem olympischen Motto: Schneller, Höher, Weiter, ……… und Dümmer.

Vor lauter Mails, die ich zur Kenntnis nehmen soll, beantworten soll, am besten ASAP, fällt meine eigentliche Tätigkeit (mich auf meine Kernaufgaben zu konzentrieren) weg. Das Ganze setzt sich in den Messengern fort. Früher nur auf DIDI (Digitaler-Diktator, Ihr Handy) – jetzt auch auf dem Desktop einsetzbar. Vor lauter blinken und bimmeln verbringen ich meine Zeit mit E-Mails, die ich nicht beantworten will, es aber muss. Warum??

Eine Vermutung liegt darin, dass ich im Modus „Die Angst etwa zu verpassen“ hänge. (FOMO: Fear of Missing Out). Es ist verständlich und nachvollziehbar, dass ich in meiner geschäftlichen Tätigkeit meine eintreffenden E-Mails beantworte.

Den Imperativ „ich könnte ja was verpassen“ habe ich seit 2017 (siehe Notizen #1) aus meinem Arbeitsalltag verbannt. Irgendwann begann ich zu verinnerlichen, dass ich kein „Notarzt“ bin, der auf alles sofort reagieren muss. Ich habe aus dem „MUSS“ ein „WILL“ formuliert. Sie wissen ja, es gibt nur ein MUSS im Leben und das ist gewöhnlich nicht planbar.

Die gute Nachricht – auch Sie können dem Beschleunigungsimperativ entkommen. Wie? Hier eine kleine Anleitung (wenn Sie möchten).

Führen Sie E-Mail Sprechzeiten ein. Beispiel: morgens von 8.00 h – 9.00 h und von 15.00 h – 16.00 h.  Schließen Sie Ihr E-Mail-Programm nach den Sprechzeiten. Stellen Sie die automatische Desktop-Benachrichtigung aus.  Achten Sie darauf, dass Sie nicht zum Antwort-Automaten werden!!  Es geht bei der Beantwortung nicht um Quantität und Geschwindigkeit, sondern um Qualität und Genauigkeit. Überlegen Sie, ob Sie das nicht auch telefonisch klären können. Wenn Sie gerade bei einer wichtigen Aufgabe sind und es poppt eine Benachrichtigung auf, werden Sie in der Regel sofort abgelenkt.  Die Neugier wird Sie die Nachricht öffnen lassen. Und schon sind Sie raus aus Ihrer Aufgabe. Deshalb: DESKTOP-BENACHRICHTIGUNGEN AUS.

Führen Sie Ihr E-Mail-Programm, nicht umgekehrt!